Vom Lotto Jackpot geht eine geheimnisvolle Magie aus, die zum Massenphänomen werden kann. Je mehr Geld die richtigen Lottozahlen am Samstag in Aussicht stellen, desto stärker wird die Phantasie angeregt, die eigenen Chancen erscheinen rosarot, das erwartungsvolle Fieber ist fast schon ein Genuss. Und dennoch muss sich kaum jemand Sorgen machen, der Spielsucht zu erliegen. Nach jüngsten Erhebungen spielt fast jeder zweite Deutsche Lotto – süchtig zu nennen sind jedoch nur rund 15.000 Spieler – und dies wiederum mit einem persönlichen Hintergrund, der nicht allein auf Lotto beruht.
Es gibt die Lottozahlen am Samstag und dann eine ganze Woche Pause. Das ist nichts für jemanden, der den schnellen Kick sucht. Lotto ist etwas für Geduldige, man könnte das wöchentliche Tippen als Ritual bezeichnen, bei dem man sich in einer großen Gemeinschaft weiß, in der alle die gleichen Chancen haben. Während im rauen Alltag individuelle Fähigkeiten zählen, die einen erst nach hartem Konkurrenzkampf aufs Siegerpodest heben – wenn überhaupt – so bringen beim Lotto alle Millionen Spieler die gleichen Vorrausetzungen mit. Niemand ist dem anderen überlegen. Und wer hunderte Tippscheine ausfüllt, hat dennoch nicht die Gewissheit, es mit Geld allein schaffen zu können. Lotto ist unbestechlich und unparteiisch. Die Lottozahlen am Samstag verheißen etwas, auf das jeder Anrecht hat. Hier wirkt ein Verteilungssystem, das dem Schwachen die gleichen Rechte einräumt wie dem Starken. Und wer immer zusehen musste, wie schon andere vor ihm die Rosinen aus dem großen Kuchen des Lebens gepickt haben, der kann sich auf die Lottoahlen am Samstag freuen, die nach dem Roulette-Prinzip jeden, also auch einen selbst, beglücken können.
Natürlich ist es ein Irrtum, seine eigenen Chancen größer zu bewerten, als sie tatsächlich sind. Um den Jackpot im Lotto knacken zu können, muss man tatsächlich eine Chance von 1:140 Millionen wahrnehmen. Das mag extrem niedrig sein – aber sammeln sich nicht im Laufe der Monate und Jahre Gewinner in stattlicher Zahl? Allein die Wiederholungen Samstag für Samstag erhöhen doch die eigenen Chancen, mag man denken. Und stehen nicht immer wieder in der Zeitung Berichte von Mitmenschen, die gar zwei- oder dreimal hohe Gewinne mitnahmen? Lotto ist für viele keine Mathematik, sondern das pure Glück. Und für Glück gibt es nun mal keine mathematische Formel.
Ein anderer Irrtum, dem aber wohl eher Gelegenheitsspieler unterliegen, beruht darauf, dass mit der Höhe des Jackpots auch die Chancen zunehmen. Die Zeitungen drucken zweistellige Millionenzahlen auf die Titelseiten. Es ist also genug für alle da, mag man denken, und tippt mit. Immerhin sei der Jackpot ja nun schon seit Wochen nicht geknackt worden, die Gewinnaussichten also von Mal zu Mal höher. Die Lottozahlen am Samstag aber beginnen immer von Null an. Jede Ziehung ist ein Neubeginn.
Wer selbst Lotto spielt, kennt das süße Gefühl, wenn man sich ausmalt, was man mit den vielen Millionen alles tun würde. Und das ist für so manchen reiner Seelenbalsam. Zu träumen, wie man kreativ mit gewaltigen finanziellen Mitteln umgeht, das wissen nicht nur Psychologen, kann einen die eigene Rolle in Familie, Firma und Gesellschaft perfekt vor Augen führen. Man imaginiert zudem, wie man dank Lotto mitgestalten und viel Gutes bewirken könnte. Wer mag schon zugeben, dass er vielleicht im Ergebnis einer solchen Träumerei mehr Verantwortung und Tatkraft zeigt, intensiver auf andere Menschen zugeht und zufriedener mit den Umständen ist?