In Warnemünde parken, das kann teuer werden. Diese leitvolle Erfahrung musste ich diesen Sommer machen. Abschleppfrust statt Strandlust.
Endlich war es so weit. Urlaubszeit mit der Familie. Aus Leipzig an die Küste – nur noch vier Stunden bis zum Sprung in die Ostsee. Das sind doch mal Aussichten für einen Tag, dachte ich so bei mir, als ich den Motor startete und samt Sohn und Frau die Heldenstadt in Sachsen verließ. Unser Ziel: Warnemünde mit seinen herrlichen Sandstränden.
Wir waren noch nicht einmal auf Höhe Berlins, da kam schon die Frage meines 7-jährigen Sohns, auf die jeder Vater beim Autofahren wartet: „Wann sind wir da?“. Mein Antwort: „Wenn wir angekommen sind.“ Danach war Ruhe im Auto – für fünf Minuten. Nun gut, wir hatten anschließend „Ich sehe was, was du nicht siehst“ gespielt. Und ja, ich habe gesagt: „Es ist weiß und traumhaft schön.“ Mein Sohn: „Mama.“ Gut, ich meinte zwar den Strand aber diese Antwort musste ich einfach gelten lassen.
Und so verging die Zeit bis nach Warnemünde wie im Fluge. Als wir dann das Ortseingangsschild des Fischerdörfchens vor den Toren Rostocks erreichten, ließ ich das Fenster herunter. Und da war sie, die Meerluft. Herrlich.
Ich schlug der Familie vor, schnell die Sachen im Hotel auszuladen und dann gleich zum Strand zu gehen. Ein guter Vorschlag, dachte ich, doch der Familienrat sah das anders: erst Strand, dann Hotel – so die klare Ansage meiner beiden Beifahrer. Und da in unserer Familie Demokratie herrscht, beugte ich mich gern der Mehrheit.
Doch da begannen erst meine Probleme. Ich wollte direkt am Strand parken. Dieses Vorhaben verfolgten neben mir jedoch noch tausende andere Autofahrer. Wo kann ich nur parken, dachte dich immer wieder bei mir. Weit und breit gab es eine Möglichkeit, das Auto zu parken.
Auf den hinteren Reihen unseres Autos machte sich Unruhe breit. Klar, der Kleine wollte nun an die See. Und das verstand ich, denn nach fünf Stunden Autofahrt war die Tobelust am Strand einfach riesengroß.
Und so ließ ich mich dazu hinreißen, unser Auto in einer kleinen Nebenstraße zu parken. Es war zwar ein Halteverbotsschild zu sehen, doch ich dachte mir, jetzt wird schon keiner kommen. Besonders gut war es hier zu parken, da der Strandaufgang nur 50 Meter entfernt war.
Also, Motor aus, Badehose an und mit Frau und Kind in die Fluten stürzen. Ja, ich war endlich im Urlaub angekommen – und meine Familie auch. Drei Stunden blieben wir am Strand, bis uns der Hunger wieder zum Auto führen sollte. Wir freuten uns auf das tolle Abendessen im Hotel.
Doch da, wo ich unser Auto geparkt hatte, da stand es nicht mehr. Weg, verschwunden – nicht zu sehen. Mein Sohn fragte, ob wir noch einmal „Ich sehe was, was du nicht siehst“ spielen wollten. Ich schaute ihn an. „Siehst du unser Auto?“, fragte ich. „Nö“, meinte der Kleine. Und er hatte Recht.
Ein älterer Mann aus dem Garten sprach mich an: „Ihr Auto wurde abgeschleppt. Hier können Sie leider nicht parken, da sind die Ordnungshüter ganz streng.“ Ich entgegnete freundlich: „Und nun?“
Mit mecklenburgischer Gelassenheit kam der alte Mann auf mich zu bat mir an, mich zur Abschleppstelle zu fahren. Wirklich freundlich. Meine Frau und mein Sohn könnten so lange bei ihm im Garten bleiben – da sage noch einer, die Mecklenburger seien alles arrogante Fischköppe.
Nun gut, zahlen musste ich dennoch, um mein Auto wieder zu erlangen. Doch die Freundlichkeit des alten Mannes tröstete mich ein wenig über meinen Frust. Denn: Als wir wieder bei ihm waren, lud er uns zusammen mit seiner Frau sogar noch zum Abendessen ein – frische Scholle und als Nachtisch einen echten Doppelkümmel.
PS: Geparkt haben wir in den kommenden Tagen nur noch am Hotel und sind zu Fuß an den Strand gewandert. War einfach billiger und erholsamer. Und natürlich haben wir auch den alten Mann und seine Frau noch einmal besucht – mit gutem sächsischen Bier als Gastgeschenk. Und: Er hat es sehr genossen. Prost auf Urlaubslust statt Abschleppfrust.